Das Jubiläumsjahr 2016 / 2017

Der Konzertchor wählte sich die Konzertsaison 2016/ 17 zum Jubiläumsjahr, das er mit dem Theaterfest am 3. September 2016 und dem Mozartrequiem in der Bearbeitung von Karl Marguerre am 26. November 2016 in der Apostelkirche begann und mit dem Jubiläumskonzert am 21. Juni 2017 in der Petrikirche ausklingen ließ.

Auf dem Programm des Jubiläumskonzerts standen passenderweise die „Jubelmesse“ von Carl Maria von Weber aus dem Jahre 1818 und das „Te Deum Nr.3“von einem der Gründungsmitglieder des Musikvereins, Maximilian Freiherr von Droste zu Hülshoff, der es im Jahre 1825 für den Chor geschrieben hat.

Boris Cepeda, Studienleiter am Theater und musikalischer Chorleiter, schreibt in „Eine kleine Chronik der Wiederentdeckung“ zum „Te Deum“:

„Auf der Spur eines Münsteraner Komponisten
Im März 2016 begann ich meine Tätigkeit als Studienleiter am Theater Münster und übernahm gleichzeitig die Leitung des traditionsreichen Konzertchores Münster. Schon während der Vorbereitung auf diese Aufgaben hatte ich mich mit der Geschichte und dem reichhaltigen musikalischen Leben der Stadt intensiv beschäftigt. Besonders das bevorstehende Jubiläum des Musikvereins, der Trägerorganisation des Konzertchores, war für mich Anlass, mehr über die Musikpflege in Münster Anfang des 19. Jahrhunderts zu erfahren. Bei meinen Recherchen bin ich auf eine höchst spannende Zeit der Transformation in dieser Stadt gestoßen, die vom Ende des Fürstbistums, der Besetzung Preußens, der napoleonischen Kriege und dem aufstrebenden Bürgertum geprägt wurde. Plötzlich tauchte der Name Maximilian Friedrich von Droste-Hülshoff auf, der laut Wikipedia-Eintrag ein bedeutender Komponist seiner Zeit gewesen sein soll, dessen Werke sogar von Joseph Haydn in Wien aufgeführt wurden. Ich erkannte hier die einmalige Chance, ein repräsentatives Werk eines Münsteraner Komponisten und Gründers des Musikvereins für das Jubiläumskonzert zu finden. Der Weg dahin sollte noch langwierig und mühsam sein, aber zum Glück waren meine ersten Anlaufstellen von großer Hilfe. Der Bibliothekar unseres Theaters, Markus Rubow, verwies mich auf den Fachreferenten Musik an der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, der mich wiederum auf die Spur des Nachlasses auf der Burg Hülshoff brachte. Die damalige Vorsitzende des Musikvereins, Alexandra Fürst, fand einige Werke in der berühmten Santini-Sammlung in Münster, u.a. das dem Musikverein gewidmete „Tantum Ergo“, das der Konzertchor anlässlich der Jubiläumsausstellung in der Sparkasse unter meiner Leitung aufgeführt hat. Allerdings befand sich dort kein Werk, das für eine große Aufführung in Frage gekommen wäre. Es gab einige Referenzen, dass das 3. Te Deum 1986 vom WDR-Rundfunkchor aufgeführt und auf CD aufgenommen wurde. Ich hegte die große Hoffnung, dass man über den WDR-Rundfunkchor an das aufführungstaugliche Material herankommen könnte. Eine Anfrage wurde dort bislang nicht beantwortet, so dass eine höhere Instanz zur Hilfe herangezogen werden musste. Unser Intendant Dr. Ulrich Peters bekam vom WDR-Intendanten den Tipp, dass die vollständigen Manuskripte der Orchesterpartitur in der Dombibliothek Köln zu finden wären. Auch Prof. Dr. Matthias Henke von der Universität Siegen, der sich mit der Beziehung zwischen Joseph Haydn und Maximilian Droste-Hülshoff auseinandergesetzt hat, bestätigte diesen Hinweis. Die Dombibliothek stellte mir die digitalen Kopien der Orchesterpartitur und der Einzelstimmen (ca. 30 Gigabyte Datenmaterial!) zur Verfügung. In der Zwischenzeit bekam ich eine Antwort auf meine Anfrage an die Stiftung Droste zu Hülshoff vom Leiter der Droste-Forschungsstelle, Dr. Jochen Grywatsch, der mir die Liste der Werke, die im Nachlass auf der Burg Hülshoff vorhanden sind, übersandte. Meine Freude war groß, als ich dort den Klavierauszug des Te Deums erwähnt fand. An einem kalten Januartag machte ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg und durfte Einsicht in das Werk in den spärlich beheizten Räumlichkeiten der Burg bekommen. Der Klavierauszug war wie die Partitur aus Köln in bestem Zustand, allerdings in Handschrift, die ich meinen Kollegen vom Orchester, den Choristen und Solisten nicht zumuten konnte. Auch Dr. Grywatsch stellte freundlicherweise digitale Kopien des Klavierauszuges zur Verfügung, die ich zusammen mit dem Material aus Köln zur Erstellung einer neuen Ausgabe verwendet habe, die für die Vorbereitung des Jubiläumskonzertes gedient hat. Nach monatelanger Übertragung der Orchesterpartitur, der Einzelstimmen und des Klavierauszuges habe ich die „klassische“ tonale und formale Struktur der Musik Maximilians schätzen gelernt. Manche Stellen erinnern an Mozart, Haydn und sogar Carl Maria von Weber.
 
Ich freue mich sehr, dass Maximilian in seiner Heimatstadt nach langer Zeit wieder zu hören ist, was nicht ohne die tatkräftige Unterstützung „seines“ Musikvereines möglich gewesen wäre. Mein Dank gilt neben dem Vorstand des Konzertchores, der dieses Projekt von Anfang an mit Begeisterung mitgetragen hat, auch stellvertretend für das Theater und Sinfonieorchester Münster seinem GMD Fabrizio Ventura, der dieses Werk eines Münsteraners aus dem Dornröschenschlaf verholfen hat, sowie der Dombibliothek Köln und Dr. Jochen Grywatsch.“

Das Konzert stellt die letzte gemeinsame Chorarbeit mit Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura dar, der den Chor während seiner zehnjährigen Münsteraner Amtszeit künstlerisch begleitete. Der Chor denkt an diese Jahre freundlich-professioneller und lehrreicher musikalischer Zusammenarbeit voll herzlichen Engagements in großer Freude und Dankbarkeit zurück.

Für die Konzertsaison 2017/ 2018 unter der künstlerischen Leitung von Golo Berg sind die folgenden Konzerte geplant:

  • A-cappella-Auftritt zum Jubiläum der Städtepartnerschaft Münster/Kristiansand/York gemeinsam mit dem Domkor Kristiansand am 28. September im Rathausfestsaal
  • „Island Ouvertüre op.9“ und „Kantate op. 13“ von Jon Leifs im Rahmen des Münsterlandfestivals am 4. November im LWL-Landesmuseum
  • und „In terra pax“ von Frank Martin zur Eröffnung von Musica Sacra im St. Paulus Dom am 24. März 2018.

Eine vom Chor konzipierte Ausstellung „200 Jahre Musikverein. Der gute Ton für Münster“ wurde seit Januar 2017 im Foyer der Sparkasse Münsterland Ost in den Arkaden Münster und anschließend bis Mai 2017 im Theaterfoyer gezeigt. Sie ist gegenwärtig im Lichtfoyer des Landgerichts Münster zu sehen.

Zu jedem Rückblick gehört auch ein Ausblick: hier stehen zwei Bestandsmerkmale im Fokus, die mit dem Musikverein untrennbar verbunden waren und die künftig für den Konzertchor als Chor des Musikvereins auch wieder selbstverständlich sein sollten:
Ein der Stadt Münster gemäßer Konzertsaal in einem Gebäude, das neben anderem auch einen angemessenen Raum für die wöchentlichen Proben bereithält und die Wiederbelebung der Tradition des Cäcilienfestes am 22. November, das mit dem vom Sinfonieorchester begleiteten Chorkonzert und einem Musikfest wieder ein zentrales Ereignis im Musikleben der Stadt Münster darstellt.