2008

Blättern: 2009 2008

Charles Gounod: Cäcilienmesse
November 2008 – Überwasserkirche, Münster

Hymnisch bekennt der Chor den Glauben, meißelt die Worte des Credo in den Kirchenraum – ein intensiver Höhepunkt in Charles Gounods Cäcilienmesse. Sie stand im Mittelpunkt des Cäcilienfestkonzerts von Musikverein und Sinfonieorchester, das am Samstagabend in Münsters Überwasserkirche stattfand.

Der Konzertchor Münster präsentierte sie hellwach, gänzlich eintauchend in Gounods großes, zutiefst romantisches Sakralwerk, bestens vorbereitet von Donka Miteva, Münsters Opernchordirektorin. Ein ausgewogener Chorklang, bei dem das Übergewicht an Frauenstimmen nicht zu Buche schlug, machte die Messe zu einem berührenden Erlebnis. In den fast opernhaft anmutenden Passagen wie dem „Gloria“ riss der Chor mit in seinem stürmisch-gewaltigen Gotteslob und zeigte konzentrierte Andacht im fast schüchternen, ehrfurchtsvollen „Amen“ am Ende.

„Gratias agimus tibi“ singt das Solistenterzett. Und Henrike Jacob, Fritz Steinbacher und Sang-Gun Suk preisen die Herrlichkeit Gottes mit frischen, leichten Stimmen, ja fast beschwingt. Genauso legen Jacob und Steinbacher ihre ariosen Soli im „Sanctus“ und „Benedictus“ an – ein guter Einstieg für die neuen Mitglieder des Solistenensembles der Städtischen Bühnen.

Das Sinfonieorchester unter Kapellmeister Hendrik Vestmann entfaltet im rein instrumentalen „Offertorium“ süffigsten, romantischen Klang und bietet insgesamt Chor und Solisten einen Teppich, auf dem sie sich hörbar wohlfühlen. Das ist Orchesterbegleitung im besten Sinne. Auch dieses Konzert reihte sich ein in das vielfältige Programm zum einhundertsten Geburtstag Olivier Messiaens. So wurde Gounods Messe umrahmt von zwei Sätzen aus den „Éclairs sur l’Au-delà“, den „Streiflichtern über das Jenseits“. Und ganz erstaunlich: die sphärischen Klänge Messiaens ergänzten den klanggewaltigen Romantiker Gounod auf das Beste. Denn beider Glaubensbekenntnis ist von zwingender Eindringlichkeit. Diese Intensität formten Hendrik Vestmann und die Streicher des Sinfonieorchesters mit Perfektion zu Klang: Ist der Satz „Bleiben in der Liebe“, obschon voller Vertrauen auf ein jenseitiges Leben, noch irdisch verhaftet, schrauben sich Geigen, Bratschen, Celli und Bässe in „Christus, Licht des Paradieses“ frei jeglichen weltlichen Ballasts in die Unendlichkeit. Nach kurzer Stille brandete in der vollbesetzten Kirche verdienter Beifall auf. (Thomas Hilgemeier, Westfälische Nachrichten vom 23.11.2008)

 

Joseph Haydn: Harmoniemesse B-Dur
Mai 2008 – St. Joseph, Münster

Mit Drive und kraftvoller Klanggebung kehrten der GMD, sein Orchester und der Konzertchor Münster Haydns Qualitäten mitreißend hervor. Auch den sinfonischen Geist dieses Abschiedswerks betonte Ventura, indem er ihm die Sinfonie Nr. 44 wie ein Ausrufezeichen voranstellte (…) In Münsters Kirchen hört man zwar Chöre zur Genüge, nicht aber solch satten orchestralen Zunder. Der passte genau zum düster einleitenden Werk, der „Trauersinfonie“ (…)

Ein erhabenes Kyrie: Auftritt für den Konzertchor, der von Donka Miteva – seit letztem Jahr Chordirektorin der Städtischen Bühnen – gut präpariert worden war: ein kraftvoller und geschlossener Sound, dem es nicht am nötigen Bass-Fundament mangelte. Die Sängerinnen und Sänger wussten, wie man etwa im „Et resurrexit“ des Credo dramatische Steigerungen aufbaut, sich im Sanctus intensives Flehen an die Violin-Seufzer schmiegen muss oder wie man die Amen-Fuge des Gloria jubeln lässt. Das Solistenquartett (Annette Johansson, Judith Gennrich, Andrea Shin und Jaroslaw Sielicki) setzte dagegen mehr auf sorgfältigen Ensemble-Gesang ohne jedes Forcieren. Sonst aber regierte bei aller Klangpracht, der die „Harmoniemesse“ ihren Namen verdankt, das Prinzip Lustgewinn, das seine Wirkung auf die begeisterten Zuhöhrer nicht verfehlte. (Arndt Zinkant, Westfälische Nachrichten vom 02.06.2008)

Maurice Duruflé: Requiem (Orgelfassung)
März 2008 – St. Lamberti (Coesfeld)

Aufs höchste beeindruckt, um nicht zu sagen überwältigt, zeigten sich die Besucher von den Klängen in der Lambertikirche: das Requiem von Maurice Duruflé erlebte eine fulminante Aufführung. Von begeisterten Liebhabern ein „Werk von überirdischer Schönheit“ genannt, erscheint es bis jetzt nicht allzu häufig auf den Programmen, denn es stellt doch einige Ansprüche an Ausführende und Hörende gleichermaßen. Durch intensive Beschäftigung erschließt sich eine große schwelgerische Klangpracht von expressiver Ausdeutung.(…)

Der mit Frauen und Männerstimmen klanglich ausgewogene mittelgroße Chor auf der Orgelempore wurde von Rainer Mühlbach mit Besonnenheit und Engagement durch die neun Sätze des 1947 entstandenen Werkes gesteuert. In der überaus großen Bandbreite der dynamischen Mittel vom Piano bis zu exzessiven Kraftakten blieben keine Wünsche offen. Dazu wurden einzelne Abschnitte akzentuiert herausgestellt, für die Hörer, die den Text deutsch und lateinisch mitverfolgen konnten, eine sehr deklamatorische Aussage. Sehr schön auch das Sopran-Solo und Cello im „Pie Jesu“ sowie Bariton und Kinderchor („In paradiesum“). (Ulrich Wesseler, Allgemeine Zeitung 12.03.2008)