2011

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Festkonzert Städtepartnerschaft
Mai 2011 – Stadtweinhaus

Ein imposantes Bild im Rathausfestsaal: das Opera Quartet des Israel Symphony Orchestra Rishon LeZion und der Konzertchor Münster, mit Gästen aus dem Chor der Evangelischen Gemeinde Lublin, trafen sich am Samstag. Mit einem bunten Musikprogramm feierte Münster das 30-jährige und 20-jährige Partnerjubiläum zu den Partnerstädte Rishon LeZion und Lublin.

Unter der Leitung von Donka Mitewa sang der Konzertchor, immer von den acht Gastsängern aus Lublin, die mit violettem Schal und hellblauem Schlips ein paar Farbkleckse auf die Bühne brachten, drei Lieder von Johannes Brahms und scheute auch große Höhen nicht. Das Waldbild der Romantiker, romanhafte Zigeunervorstellungen und viel Freude am Gesang zeichneten diese Nummern aus. Das Opera Quartet fügte mit ein wenig Puccini, einem Satz aus Mozarts „Dissonanzenquartett“ und Doron Toisters „Jubilee Medley“, das auch „Heiveinu Shalom Aleichem“ im vollklingenden Quartettsatz mit dabei hatte, instrumentale Klänge hinzu.

Auch polnische Lieder, darunter die uralte Hymne „Gaude Mater Polonia“, begeisterten – klangvoll und ein klein wenig mit Effekten spielend. Ein Festprogramm eben. Am Ende standen das Streichquartett Opera Quartet und die Sänger gemeinsam auf der Bühne. Fünf verträumte und temperamentvolle „Hebrew Love Songs“ sowie das schlichte „Hine mah tow“ gab es zu hören.

Das Publikum applaudiert begeistert und Oberbürgermeister Lewe bat Miteva und die Musiker verschmitzt um eine Zugabe – die folgte auch: ein weiteres Mal „Hine mah tow“, diesmal mit freudiger Beteiligung des Publikums. Ein geselliger Ausklang im Foyer lud anschließend zu Gesprächen ein. (Heike Eickhoff, Westfälische Nachrichten vom 16.05.2010)

Berlioz: Roméo et Juliette
April 2011 – Städtische Bühnen Münster

Romeo singt nicht. Auch Julia bleibt stumm. Und dennoch schwelgt das größte aller Shakespeare-Liebespaare in Klängen von höchster Sinnlichkeit, schmachtet, liebt und leidet in den Wonnen einer raffinierten Orchestermusik. Weil Hector Berlioz, der französische Exzentriker, in seiner dramatischen Sinfonie „Roméo et Juliette“ zwar drei Gesangssolisten und jede Menge Chor aufbietet – aber die Handlung zwischen den Liebenden ganz dem Orchester anvertraut.

Münsters Sinfonieorchester, in der laufenden Spielzeit eng mit Shakespeare verbunden, sorgte gerade mit diesen Instrumentalsätzen für ein umjubeltes Konzert im Großen Haus. „Romeo allein“, der Beginn des zweiten Satzes, wirkte noch etwas zaghaft, doch mit den ersten Einsprengseln des Capulet-Balls näherten sich die Musiker dem typisch hellen, funkelnden Berlioz-Sound, um beim „Großen Fest“ beherzt loszulegen.

Dafür, dass die Leidenschaft nicht allzu stürmisch loderte, sorgte Fabrizio Ventura. Münsters Generalmusikdirektor schuf, gerade auch in Verbindung mit Chören und Solisten, klare Struktur in der überquellenden Berlioz-Musik, hielt die rezitativischen Passagen im Zaum und war Garant dafür, dass die vom Komponisten so wunderbar kapriziös geschilderte Julia auch auf dem Balkon die philharmonische Contenance bewahrte. Mit dieser Haltung entfachte Ventura auch ein perfekt flirrendes „Königin Mab“-Scherzo und ließ dann in den Gruft-Szenen zwischen Freude und Verzweiflung dem Wahnsinn seinen Lauf.

Der Opernchor als kleines Ensemble und mit ihm gemeinsam der Konzertchor, der Philharmonische Chor und der Kammerchor Rheine als gewaltiger Kommentator des Geschehens sicherten der Sinfonie, die zwischenzeitlich wie ein Oratorium daherkommt und sich dann wieder in Operngefilden tummelt, beachtlichen vokalen Rückhalt: großartig (und von Donka Miteva und Martin Henning bestens präpariert) „Julias Leichenzug“, der zur kleinen Totenmesse wurde. Von den guten Solisten Marja Mäkelä (Mezzosopran), Andrea Shin (Tenor) und Johannes Schwärsky ( Bass) hinterließ der machtvolle Mahner des Friedens, sonst in Münster als „Fliegender Holländer“ zu erleben, naturgemäß den stärksten Eindruck. Das begeisterte Publikum schien allerdings vor allem Fabrizio Ventura danken zu wollen, der sich mit solchem Feuereifer dem wenig gespielten Werk des Feuerkopfs Berlioz widmete.
(Harald Suerland, Westfälische Nachrichten vom 06.04.2010)