Pressestimmen 2014

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Schubert Messe in Es-Dur, November 2014
Benefizkonzert, Juni 2014
Brahms Requiem, April 2014

Schubert, Messe in Es-Dur

Melodien werfen Todesschatten – Der Konzertchor Münster beeindruckt in der Apostelkirche mit Schuberts Es-Dur-Messe

Wer Franz Schuberts Messe in Es-Dur hört, fragt sich, warum sie nicht öfter aufgeführt wird. Frisch, unverbraucht und packend erscheinen jene Mess-Klänge, die Schubert in seinem letzten Lebensjahr schrieb. Fabrizio Ventura, der Konzertchor Münster und das städtische Sinfonieorchester setzten diese Musik am Samstag unter Hochspannung. Kaum dass das Kyrie wie eine lyrische Ouvertüre zu Ende verklungen ist, machen die Interpreten im Gloria deutlich, wohin die Reise geht. Feurig-dramatischer Überschwang, alternierende Männer- und Frauenstimmen und ein satter Chorklang beeindrucken mit ihrer Wucht. Und sie bricht in dieser letzten der sechs Schubert-Messen nicht selten durch. Der Komponist setzt Kontraste aus Licht und Schatten, und Ventura reizt sie mit teils fast opernhafter Dramatik aus. Da wird nicht mit der Pinzette ziseliert – wenn ein Fortissimo Ausdruck und Kraft verlangt, dreht der GMD den Spannungsregler hoch. Was aber nicht heißt, dass die Fugenteile aus dem Ruder laufen.

Die Akustik der Apostelkirche schafft einen schönen Gesamtklang. Das Sinfonieorchester Münster präsentiert sich ebenfalls kraftvoll, wirkt aber mit seinem seidigen Akkordspiel der Streicher wie ein geschmackvolles Passepartout des Chores. Tadellose Leistungen der Solisten rundeten die Aufführung ab: Henrike Jacob (Sopran), Lisa Wedekind (Mezzosopran), Youn-Seong Shim und Jaean Koo (Tenöre) sowie Lukas Schmid (Bass). Da Schubert die Solostimmen nicht allzu üppig bedachte, war’s ein Glück, dass sich Henrike Jacob zu Beginn mit dem „Salve Regina“ hatte hören lassen. Stimmstark intonierte die Sopranistin Schuberts Marien-Huldigung, die Streicher klangen nach Samt und Seide. (Arndt Zinkant, Westfälische Nachrichten vom 17.11.2014)

Benefizkonzert für das Johanneshospiz
Juni 2014 – Mutterhauskirche

Konzertchor singt für guten Zweck

Standing Ovations gab es beim Benefizkonzert in der Mutterhauskirche. Elda Laro (Studienleiterin am Theater Münster) und ihr Chor sahen ihr Konzert unter dem Titel des Paul-Gerhard-Liedes „Geh aus mein Herz“ als Geschenk an das Johannes-Hospiz und seine Bewohner. Das musikalische Programm reichte vom 16. bis in das 20. Jahrhundert von Viadana, Rossini, Bruckner, Mendelssohn Bartholdy, Mozart und Schumann. Vier Solisten des Chores trugen das Quartett „If ye love me“ von Thomas Tallis, Sängerinnen des Chores das Lied „Where ever you are“ vor. Elda Laro, mehrfach und international ausgezeichnete Pianistin, gab Kostproben am Klavier: ihre Fantasie in d-Moll von Mozart und ein von den Meglio für Klavier bearbeitetes Gebet aus der Oper „Norma“ des sizilianischen Romantikers Vincenzo Bellini bekamen „Standing Ovations“. Der Tenor Byung Sun Kang von der Musikhochschule interpretierte sowohl die Arie „Comfort ye“ aus dem „Messiah“ von Händel als auch bei der „Dichterliebe“ von Robert Schumann. (Ralf Emmerich, Westfälische Nachrichten vom 01.07.2014)
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Brahms: Ein deutsches Requiem
April 2014 – Dom St. Paulus

Erlösungshoffnung in satten Klangfarben

Unerbittlich hämmert die Pauke ihren mahnenden Rhythmus, beständig sucht derweil eine Melodie ihren Weg nach oben – und fällt doch immer wieder in tiefen Abgrund: „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“, und dieses Gras „ist verdorret“. Das ist Johannes Brahms’ Memento mori, sein klingendes Aschekreuz auf der Stirn des Menschen: Gedenke, dass du Staub bist! Und wenn dieser Trauermarsch aus Brahms’ „Deutschem Requiem“ so markerschütternd dargeboten wird wie am Samstag im Paulusdom, geht das unter die Haut.

Mit Brahms begann das neuntägige „Musica sacra“-Festival vor geschätzten zweitausend Zuhörern. Die erlebten eine Aufführung von größter Intensität, eine Interpretation getragen vor allem von ihnen: dem Konzertchor Münster und dem Philharmonischen Chor Münster. Was da vom riesigen Chorpodest über dem Hochaltar an Klang entfaltet wurde, war schlichtweg überragend. Elda Laro und Martin Henning hatten die Hundertschaften an Vokalisten superb vorbereitet, mit ihnen ein geradezu schüchternes „Selig sind, die da Leid tragen“ entwickelt, aber auch ein höhnisches Fortissimo: „Tod, wo ist dein Stachel?“ Zwischen diesen Extremen dann eine enorme Bandbreite an Dynamik, auch an Farben – und an Präzision. So hatte Dirigent Fabrizio Ventura nicht die geringste Mühe bei der Koordination heikler Übergänge mit Tempo- und Rhythmuswechseln zwischen Chor und dem Sinfonieorchester Münster, zumal in einer nicht unproblematischen Akustik.

Johannes Brahms’ großes Gemälde über die Letzten Dinge des menschlichen Individuums ist alles andere als „nur“ heilsgewiss. Im Gegenteil: Erlösung ist eine Hoffnung, bei Weitem keine Garantie. „Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss“, sang Bariton Roman Trekel. Und wenig später, wenn die letzte Posaune erschallt, mutierte Trekel zu einem unglaublich stimmgewaltigen Propheten, die Auferstehung verkündigend. Das klang wie eine händeringende Beschwörung, nicht nach felsenfester Überzeugung. Brahms, der Zweifler. Sopranistin Christiane Oelze vermittelte schon eher etwas von der Wahrheit Ewigen Lebens, als sie das „Ihr habt nun Traurigkeit“ anstimmte, auch wenn ihre leicht abgedunkelte Stimme hier nicht die eines cherubinischen Engels war. Insofern passend zu Brahms.

Gespannte Atmosphäre herrschte im Dom, die sich am Ende in brandendem Applaus entlud. Und der galt neben den Solisten vor allem den Chören.
(Christoph Schulte im Walde, Westfälische Nachrichten vom 13.04.2014)
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Durchdrungen von großem Trost

Was für ein Auftakt. Zwei Chöre mit insgesamt etwa 140 Sängern, Solisten von Weltrang, das bestens vorbereitete Sinfonieorchester, geschätzte 2000 Zuhörer im St.-Paulus-Dom: Der Start des Kirchenmusikfestivals „Musica Sacra“ hätte spektakulärer nicht ausfallen können.

Doch das sind nur Zahlen. Schon beim ersten Ton des Chores war klar, dass es auch musikalisch große 75 Minuten werden würden. Für das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms bat Münsters Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura den Konzertchor und den Philharmonischen Chor Münster in den Dom. Ventura erwies sich als geschickter Klangregisseur, der die Kräfte des Chores und die Kräfte des Orchesters genau gegeneinander abzuwägen wusste. Allerdings hatten auch die beiden Chorleiter Elda Laro und Martin Henning vorzügliche Vorarbeit geleistet. Man merkte: Die Sängerinnen und Sänger genießen hier jeden Takt von Brahms’ Musik. Die Chöre lieferten eine phänomenale Leistung ab, stimmlich und sprachlich war das präzise und auf höchstem Niveau. Berückend der Piano-Einstieg mit „Selig sind, die da Leid tragen“, gewaltig der Trauermarsch „Und alles Fleisch, es ist wie Gras“, zurückgenommen die Solo-Begleitung in „Herr, lehre doch mich“. Das war ein intensives Erlebnis. So muss dieses Requiem klingen – erfüllt von großem Gefühl, durchdrungen von großem Trost.

So enthusiastisch wie mit den Chören war Ventura auch mit seinem Sinfonieorchester, machte es zum beweglichen Begleiter und zur eigenständigen Kraft. Er umschiffte gekonnt heikle Rhythmus- und Dynamik-Klippen, einzig die Fugen hätten mehr Struktur vertragen können. Mit Christiane Oelze und Roman Trekel hatte Ventura zwei Solisten von internationalem Rang eingeladen. Allerdings brauchte Sopranistin Oelze einige Takte, um im Geschehen zu landen. Das mochte aber wohl daran liegen, dass ihr Einsatz nur sehr kurz ist und mitten im Stück liegt. Bariton Roman Trekel war mit jedem Ton und jeder Phrase Wagner-Sänger. Und zeigte damit die andere Seite von Brahms: den Zweifel statt der Zuversicht.

Für diese fantastische Leistung gab es vom Publikum langen, frenetischen Applaus. Internationale Gäste und lokale Größen haben sich bestens präsentiert. Was für ein Auftakt.
(Dirk Jaehner, Münstersche Zeitung, 13.04.2014)
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